Berlin: Anlässlich der morgen beginnenden 83. Umweltministerkonferenz in Heidelberg fordern der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der WWF Deutschland und der Naturschutzbund Deutschland (NABU), das nationale Hochwasser­schutzprogramm ökologisch auszurichten. “Das nationale Hochwasserschutzprogramm muss ein Signal für ein grundsätzliches Umdenken im Hochwasser­schutz setzen und langjährige Defizite beseitigen”, sagte Dr. Diana Pretzell, WWF Deutschland. Für einen wirksamen Hochwasserschutz fehlten in den bisherigen Entwürfen aber noch wesentliche Punkte, wie eine klare Prioritätensetzung für den ökologischen Hoch­wasser­­schutz. Hochwasservorsorge dürfe nicht erst beim Auffangen von Hochwasserwellen beginnen.
“Nachhaltiger Hochwasserschutz muss das gesamte Flusssystem umfassen. Wir müssen Bäche und Flüsse wieder mäandrieren lassen, Flusssohlen stabilisieren, die Fließge­schwindigkeit verlangsamen und Flächen entsiegeln”, betonte Sebastian Schönauer, Sprecher des BUND-Arbeitskreises Wasser. Ökologischer Hochwasserschutz und ein Umdenken hin zum ökologischen Landbau seien wirksamer, ästhetischer und häufig kostengünstiger, um Hochwasser zu vermeiden, bräuchten jedoch mehr Zeit für die Planung und Umsetzung. Daher bedürfe es einer sinnvollen Förderung. “Die Umweltminister müssen jetzt sicherstellen, dass Maßnahmen auch über 2020 hinaus finanziell gefördert werden”, forderte Schönauer.
Naturnahe Ansätze bieten dabei aus Sicht der Verbände viele Vorteile. “Beim Hochwasserschutz müssen ökologisch ausgerichtete Lösungen Priorität haben. Wo immer möglich, muss man das Synergiepotenzial von Hochwasser-, Natur- und Gewässerschutz nutzen”, umreißt Till Hopf, Naturschutzexperte des NABU, die Messlatte an Bund und Länder. Technischer Hochwasserschutz suggeriere den Anwohnern zwar mehr Sicherheit, steigere aber die Gefahr stärkerer Flutwellen am Unterlauf der Flüsse. Der Bau von Poldern sei nur vermeintlich eine schnellere Hochwasserrückhaltungs­maßnahme, bremse jedoch ökologische Maßnahmen. Deichrückverlegungen sind nach Verbändeeinschätzung nicht nur ökologisch vorteilhafter als Polder, sondern oft schon mittelfristig kostengünstiger. Denn bei Poldern müssten Einlass- und Auslaufbauwerke und zwei Deichlinien gebaut und unterhalten werden. Das koste Geld, das dann an anderer Stelle fehle.

Mehr Informationen

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  • zum Hochwasserschutz
  • Pressekontakt: Magnus Wessel, stellv. Leiter Gewässerpolitik des BUND, Tel. (0 30) 2 75 86-5 43, magnus.wessel@bund.net bzw. Annika Natus, BUND-Pressere­ferentin, Tel. (0 30) 2 75 86-4 64, presse@bund.net

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