Berlin: Anlässlich des “Welttags wandernder Fischarten” am 21. Mai 2016 hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) auf die fehlende Durchgängigkeit von Flüssen und Bächen hingewiesen. Ursache dafür seien vor allem Versäumnisse bei der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, sagte der BUND-Wasserexperte Sebastian Schönauer.
“Vier Fünftel der Gewässer in Deutschland verfehlen noch immer die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Diese verlangt bis auf wenige Ausnahmen das Erreichen eines sogenannten guten Zustands bis Ende 2015. Ausnahmen wurden leider zur Regel, so dass die EU-Kommission bereits ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland einleiten musste. Es wird Zeit, dass die Bundesregierung dem Gewässerschutz höchste Priorität einräumt. Nötig sind umfangreiche Maßnahmen, die wandernden Fischarten ein besseres Vorankommen ermöglichen”, sagte Schönauer.
Die Situation wandernder Fischarten in Deutschland sei katastrophal. So stehe der Aal bereits vor dem Aussterben. Sein Bestand müsse mit künstlichen Besatzmaßnahmen erhalten werden. Am Main werde die Fischwanderung beispielsweise durch 34 Staustufen mit turbinenbetriebenen Wasserkraftanlagen gestoppt. Als Notmaßnahme würden dort Fische eingefangen und anschließend per LKW zu Wiedereinsatzstellen transportiert. Ähnlich dramatisch sei die Situation beim Lachs, der früher in fast allen in Nord- und Ostsee fließenden Flüssen verbreitet gewesen sei. Derzeit verhindere nur der millionenfache Besatz mit Junglachsen sein endgültiges Aussterben.
“Wandernde Fischarten stoßen überall auf Hindernisse wie Querbauwerke. Seit Jahrzehnten wird versprochen, dass funktionierende Fischpässe und Schutzvorrichtungen vor die Turbinen gebaut werden. Aber in Wasserkraftanlagen endet die Fischwanderung meist tödlich. Da wirksame Gesetze zum Schutz der Fische fehlen und die finanziellen Mittel bei weitem nicht ausreichen, wird die Einrichtung von Umgehungsgewässern und Auf- oder Abstiegshilfen meist auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben”, kritisierte Schönauer.
Positiv bewertet der BUND-Gewässerexperte die Wiederansiedlung von ursprünglich in Deutschland heimischen wandernden Fischarten wie Stören, die in manchen Regionen bereits ausgestorben sind.
Schönauer: “Nur wenn die natürlichen Bedingungen in und an Flüssen und Bächen verbessert werden und die von der Wasserrahmenrichtlinie geforderte Durchgängigkeit langfristig garantiert wird, haben wandernde Fischarten in Deutschland eine Überlebenschance.”

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