Umweltvergleich: Vegan vor Öko-Tierprodukten

Erde mit Messer und Gabel
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Tierliche Lebensmittel haben oft eine miserable Umweltbilanz. Eine pflanzenbasierte Ernährung ist in der Regel deutlich nachhaltiger und angesichts der fortschreitenden Umweltzerstörung dringend ratsam; zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie aus Oxford, die Anfang Juni 2018 im Fachblatt Science veröffentlicht wurde. Die Erkenntnisse sind zwar nicht völlig neu, die Forscher werteten für ihre Untersuchung aber die bisher größte Menge an Daten aus. Ihre Ergebnisse sind daher besonders aussagekräftig.

Fleisch und Milch sind am schlimmsten

Joseph Poore von der Oxford University und Thomas Nemecek vom Schweizer Kompetenzzentrum für landwirtschaftliche Forschung haben mehrere Jahre an der Studie gearbeitet. Sie wollten wissen, ob es eine nachhaltige Tierproduktion gibt und wie man die Umweltauswirkungen der Lebensmittelproduktion verringern kann. Dafür analysierten sie zum einen Daten zur Herstellung, Verpackung und zum Vertrieb von 40 verschiedenen Produkten. Diese bilden 90 % aller konsumierten Lebensmittel ab. Zum anderen werteten sie die Daten von 38.700 landwirtschaftlichen Betrieben in 119 Ländern aus; sowie von 1.600 weiterverarbeitenden Betrieben, Verpackungsarten und Einzelhändlern.

Den größten Einfluss auf die persönliche Ökobilanz haben demnach Fleisch- und Milchprodukte. Global liefern sie nur 18 % aller Kalorien und 37 % aller Proteine; ihre Herstellung benötigt jedoch 83 % aller landwirtschaftlichen Flächen. Zudem sind sie für 60 % der durch die Landwirtschaft verursachten Treibhausgase verantwortlich.

Enorme Unterschiede zwischen gleichen Produkten

Die ökologischen Auswirkungen können bei dem gleichen Lebensmittel bis um das Fünfzigfache variieren – abhängig von Herstellungsprozess, Verpackung sowie weiteren Faktoren.

Bei Rindfleisch, für dessen »Erzeugung« Wälder in Weideland umgewandelt wurden, hat die Studie eine besonders schlechte Ökobilanz ermittelt. Im Vergleich zu Fleisch von Rindern, die auf natürlichen Flächen weideten, verursacht es rund 15 Mal mehr Treibhausgase und braucht 50 Mal mehr Land.

Gerade in der großen Variabilität der Ökobilanzen gleicher Produkte sehen die Forscher großes Potenzial, um die negativen Auswirkungen der Lebensmittelproduktion zu verringern. Die Produktionsprozesse der Lebensmittelerzeugung sollten entsprechend überarbeitet werden. Hauptautor Poore wünscht sich zudem eine Umweltkennzeichnung von Lebensmitteln, die Kopplung von Subventionen an Umweltfaktoren sowie eine Steuer auf Fleisch- und Milchprodukte.

Die Studie hebt insgesamt deutlich hervor, dass eine Umstellung auf pflanzliche Lebensmittel der effektivste Weg ist, um negative Umweltauswirkungen einzudämmen. Selbst die Tierprodukte mit der besten Ökobilanz haben schwerwiegendere Auswirkungen als nahezu alle pflanzlichen Lebensmittel. Für die gleiche Menge an Proteinen verursacht selbst das ökologisch »beste« Rindfleisch sechs Mal mehr Treibhausgase und benötigt 36 Mal mehr Fläche als Hülsenfrüchte. Der Konsum von umweltfreundlichen Tierprodukten hätte daher nur einen geringen Effekt. Die Studienautoren betonen folgerichtig die Dringlichkeit eines Wechsels hin zu einer pflanzlichen Ernährungsweise.

Konsequenzen ziehen

Würde sich die gesamte Menschheit vegan ernähren, bräuchte sie nur knapp ein Viertel der bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen, um satt zu werden. Mehr als 75 % des jetzigen Agrarlands würde frei – dies entspräche der Fläche von USA, EU, China und Australien zusammen. Würde man diese in einen naturnahen Zustand zurückversetzen, würde sich das Artensterben erheblich verlangsamen.

Studienautor Joseph Poore hat bereits Konsequenzen aus seinen Erkenntnissen gezogen: Er hat im Laufe der Arbeit an seiner Studie seine Ernährung umgestellt und ernährt sich nun vegan. Wenn auch Sie etwas Gutes für die Umwelt tun möchten, stellen wir Ihnen auf der Internetseite unserer Vegan Taste Week zahlreiche ansprechende Rezepte und Informationen über die vegane Ernährung zur Verfügung.

(jw)

Der Artikel Umweltvergleich: Vegan vor Öko-Tierprodukten wurde von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt veröffentlicht.

http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell